Partnerschaft zwischen Verl und Delphos besiegelt

Am Mittwoch Abend vor Ostern war es endlich soweit: Die Bürgermeister und Verwaltungschefs der Stadt Delphos und der Gemeinde Verl unterzeichneten in Delphos (Ohio) die Partnerschaftsverträge, nachdem die Ratsversammlungen der beiden Orte diese freundschaftliche Verbindung schon vor einiger Zeit offiziell beschlossen hatten.

Mehr als 250 Gäste waren in die „Knights of Columbus“–Halle in Delphos gekommen, um der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsverträge beizuwohnen. Der Sprecher des Lokalradiosenders DWOH, Bob Ulm, fungierte als Zeremonienmeister und begrüßte die Anwesenden mit einer kleinen Lektion der deutschen Sprache. Die amerikanischen Gäste mussten die Vokabeln „Willkommen“, „Guten Abend“ und „Noch ein Bier bitte“ nachsprechen. Dies allein gibt schon einen guten Eindruck von der Atmosphäre, die an diesem Abend vorherrschte: Es ging locker und ungezwungen zu, wobei alles mit einer Portion Humor gewürzt war, der aber zu keinem Zeitpunkt die Würde und Ernsthaftigkeit dieses für alle beeindruckenden Ereignisses schmälerte.

Nach der offiziellen Begrüßung, in der die Vertreter aus Politik und Wirtschaft, wie z.B. ein Senator und ein Abgeordneter der Staatsregierung sowie Vertreter der drei Counties der Region um Delphos (vergleichbar unseren Landräten), einzeln genannt und vorgestellt wurden, trug der Chor der Jefferson Highschool die amerikanische und die deutsche Nationalhymne vor. Bob Cupp, Senator des Staates Ohio, überreichte Bürgermeister Josef Lakämper die Flagge des Staates Ohio sowie eine Resolution des Senates, in der die Verschwisterung von Delphos und Verl ausdrücklich begrüßt und gutgeheißen wird.
Anschließend gab es nach einer Salatvorspeise ein deftiges Steak-Essen, nach guter amerikanischer Tradition frisch auf dem Holzkohlengrill zubereitet. Dazu wurden gebackene Kartoffeln und grüner Spargel gereicht. Als Nachspeise gab es Kuchen. Nach dem Essen stellte Frithjof Meißner, Organisator der Reise, als Vertreter der Arbeitsgruppe „Partnerschaft Verl–Delphos“ des Heimatvereins Verl die Verler Delegation namentlich vor.

Es folgte nun die offizielle Unterzeichnung der Freundschaftsurkunden durch den Bürgermeister von Delphos, John E. Sheeter, den Bürgermeister von Verl, Josef Lakämper, den Vorsitzenden des Stadtrates von Delphos, Charles Carder, und den Verler Gemeindedirektor Klaus Hörsting.

In einer Rede machte John Sheeter noch einmal deutlich, mit wie viel Stolz und Zufriedenheit ihn die Verbindung der beiden Orte erfülle. Er dankte allen, die dazu beigetragen hätten, diese Partnerschaft Wirklichkeit werden zu lassen, die er schon im Jahre 1995 anlässlich des ersten Besuchs einer Verler Reisegruppe in Delphos angeregt habe.

Auch Meißner hob das Verdienst John Sheeters als Urheber und Förderer des Partnerschaftsgedankens heraus, machte dabei jedoch auch deutlich, dass es Hermann Wrasmann aus Osnabrück gewesen sei, der am Anfang des Kontakts gestanden habe. Wrasmann war dieses Mal mit der Verler Delegation nach Delphos gekommen.

Die Stadt Delphos überreichte Bürgermeister Lakämper eine Fahne der Stadt und den Stadtschlüssel. Lakämper bedankte sich und überbrachte die Grüße des Rates und der Verwaltung der Gemeinde Verl sowie aller Verler Bürgerinnen und Bürger. Er bedankte sich für die herzliche Aufnahme, die die gesamte Reisegruppe in der Stadt Delphos erfahren habe. Schon nach so kurzer Zeit habe man das Gefühl gewonnen, unter alten Bekannten  zu sein.

In seiner Rede, die von Meißner für die anwesenden amerikanischen Gäste ins Englische übersetzt wurde, ging Lakämper auf die historischen Ursprünge der Partnerschaft ein. Es sei der aus Verl stammende Pastor Johannes Otto Bredeick gewesen, der Mitte des vorigen Jahrhunderts den Menschen seiner westfälischen Heimat eine Perspektive aufgezeigt habe, um Hunger, Not und Elend zu entfliehen und in der Neuen Welt einen Neubeginn zu wagen. Doch der Preis für diesen Weg sei hoch gewesen. Die Menschen damals seien sich der Tatsache bewusst gewesen, dass sie ihre Familien niemals wiedersehen würden. „Und nun sind wir hier, um die Nachfahren dieser Menschen kennen zu lernen.“ Es erfülle ihn mit Stolz, dass Pastor Bredeick ein Verler gewesen sei. Es seien sicher auch die Verler Tugenden Mut, Fleiß, Sparsamkeit und Gottvertrauen gewesen, so Lakämper weiter, die geholfen hätten, aus den bescheidenen Anfängen der Pionierzeit ein solch blühendes Gemeinwesen zu schaffen, wie es die Stadt Delphos heute sei.

„Ich habe im Laufe der vielen Jahre als Bürgermeister der Gemeinde Verl schon einigen großen Ereignisse beigewohnt,“ sagte Lakämper, „doch dies hier heute ist gewissermaßen der Höhepunkt meiner Arbeit.“ Mit den Worten „Gott schütze uns“ schloss Lakämper seine Rede, die von der großen Zuhörerschar mit frenetischem Beifall aufgenommen wurde. Der Verler Bürgermeister überreichte im Anschluss an seine Rede dem Bürgermeister von Delphos eine Radierung der St. Anna Pfarrkirche und einen Teller mit dem Gemeindewappen.

Der Vorsitzende des Verler Heimatvereins, Bernhard Klotz, überbrachte Geschenke des Verler Vereins an sein amerikanisches Pendant, die Canal Commission, die durch Bob Ebbeskotte vertreten war. Klotz überreichte ihm ein ganzes Paket mit historischen Schriften und Dokumenten für das örtliche Archiv; und für das Museum der Canal Commission einen Quilt (gesteppter Wandbehang) mit Motiven aus dem Verler Land, der mit einem besonderen Applaus bedacht wurde.
Klotz stellte in seiner Ansprache die historische Dimension der partnerschaftlichen Verbindung der beiden Gemeinden heraus, indem er die Inschrift am Verler Heimathaus zitierte: „Aus den Wurzeln der Vergangenheit leben Gegenwart und Zukunft.“ Dies passe sehr gut zur Städtepartnerschaft zwischen Verl und Delphos, da es die Wurzeln der Bevölkerung von Delphos in der westfälischen Heimat gewesen seien, die eine solche Verbindung erst möglich gemacht hätten. Das betreffe den Bezug von Vergangenheit und Gegenwart, doch wies Klotz auch auf die Zukunft als wichtiges Element der Partnerschaft hin, denn nun gelte es, die Verbindung mit Leben zu erfüllen und somit eine kontinuierliche Verbindung der beiden Orte zu gewährleisten.
Daran hatte nach diesem Abend, der im Anschluss an den offiziellen Teil noch mit Gesprächen und Feiern in gelöster Stimmung bis lange nach Mitternacht andauerte, wohl keiner mehr einen Zweifel.


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