Nationalbewusstsein
Beim Besuch der St. John’s Schulen konnten die Verler
Amerikafahrer in der Kindergartenklasse eine Beobachtung machen, die alle
in Erstaunen versetzte: Die Kleinen (im Alter so um die fünf Jahre)
beginnen ihren Kindergartentag, indem sie sich zur Fahne an der Wand des
Raumes wenden, die rechte Hand auf die Brust legen und gemeinsam ihre Treue
zur Nation schwören. Der sogenannte „Pledge to the Nation“ ist für
Kinder und Lehrer selbstverständlich und wird auch in allen anderen
Schulen als Ausdruck eines gesunden Nationalbewusstseins praktiziert.
Restaurant-Debüt
Am dritten Tag ihres Aufenthaltes in Delphos aß
die Verler Delegation im „Chateau“ zu Mittag. Die Organisatorin auf amerikanischer
Seite, Maryalice Davey, hatte sich zwei Tage zuvor beim Wirt noch einmal
vergewissern wollen, ob mit diesem Essen auch alles in Ordnung ginge und
erfuhr, dass das Lokal den Besitzer gewechselt hatte. Die neuen Eigentümer
waren auf nichts vorbereitet und „zauberten“ am Tag der Lokaleröffnung
ein Mittagessen für die 36 deutschen und amerikanischen Gäste
der Gruppe, das für unsere Verhältnisse schnell, in den Augen
der Amerikaner jedoch sehr schleppend serviert wurde. Der vorbestellte
Hackbraten reichte dann auch nicht für alle, so dass manche etwas
anderes bestellen mussten. Dennoch hat es allen prima gemundet.
Bier alle!
Im Anschluss an die Urkundenunterzeichnung am Mittwoch
vor Ostern feierte man noch bis spät in den Abend hinein in der „Knights
of Columbus“–Halle und konsumierte unter anderem auch das eine oder andere
Bier der Meyer Privatbrauerei, einer kleinen, aber feinen Firma in Delphos.
Es schmeckte allen so gut, dass für den folgenden Tag mit der
ebenfalls anwesenden Brauerei-Besitzerin spontan eine Besichtigung verabredet
wurde. Die Meyers betreiben diese Brauerei seit einigen Jahren in einer
garagenartigen Halle in Delphos. Sie brauen mit ausgedientem und umgebauten
Molkereiinventar nach deutschem Reinheitsgebot, eine Besonderheit in den
USA. Gearbeitet wird nur am Wochenende, denn Herr Meyer ist ansonsten als
Ingenieur tätig. Bei der Besichtigung gab es dann neben einer fachkundigen
Führung auch wieder den einen oder anderen Becher zu trinken. Das
Ende vom Lied: Die Meyers mussten eine Sonderschicht einlegen, um
die Lagerbestände wieder aufzufüllen.
Der Verler Laienchor
Zu Beginn des Aufenthalts in Delphos einmal damit begonnen,
zum Abschluss einer Besichtigung ein deutsches Lied für die Gastgeber
zu singen, wurde dies bald allgemein erwartet. Die Deutschen kamen der
Bitte um ein Lied nur allzu gerne nach, waren doch einige gute und trainierte
Stimmen unter den Mitreisenden. Höhepunkt war schließlich der
Vortrag der deutschen Delegation in der St. John’s Kirche in der Messe
am Gründonnerstag. Die Deutschen wurden von Pastor Gorman aufgefordert,
nach vorne zu kommen und sangen dann „Großer Gott, wir loben Dich“,
worauf die Amerikaner es sich nicht nehmen ließen, das gleiche Lied
auf Englisch zu singen. Die Sprache der Musik ist eben international.
Fußwäsche
In der Gründonnerstagsmesse wusch Pastor Gorman
den Gläubigen, die mutig genug waren, nach vorne zu gehen, die Füße.
Dieser Brauch in der Tradition Christi, der seinen Jüngern die Füße
wusch, war nur noch den älteren Fahrtteilnehmern bekannt, da er bei
uns heute nicht mehr üblich ist. Erinnern Sie sich noch daran, wann
dieser Ritus auch hier in Verl noch durchgeführt wurde?
Spendenfreudigkeit
Die Renovierungsarbeiten der St. John’s Pfarrkirche in
Delphos verschlangen eine Riesensumme Geldes, das ausschließlich
durch Spenden hereingeholt wurde. Es kamen 2,4 Millionen Dollar zusammen,
und das bei nur etwa 7000 Katholiken! Für unsere Verhältnisse
geradezu unvorstellbar, entspricht das doch einem Pro-Kopf-Spendenaufkommen
von etwa 650 DM, bei einer Durchschnittsfamilie mit drei Kindern also 3250
DM! Von diesem Geld konnte einiges auf die Seite gelegt werden, da viele
Männer Hunderte Stunden freiwillige Arbeit bei der Renovierung leisteten,
wodurch sehr viel Geld gespart wurde, von dem nun ein Teil für die
Sanierung des Geländes um die Kirche herum eingesetzt werden soll;
der Rest wird für spätere Renovierungen zinsbringend angelegt.
Postspione, Kalter Krieg und zerbrochene Türrahmen
Bei der Besichtigung des Postmuseums im Keller des Postamtes
von Delphos wurde den Besuchern unter anderem der Originalraum der postinternen
Polizei gezeigt. Noch bis 1973 waren dort Beamte tätig, die durch
einen System von Geheimgängen in jeden einzelnen Raum des Postamtes
Einblick hatten, sogar in die Toilettenbereiche! Dies hielten die Behörden
für nötig, um die Postler bei ihrer Arbeit zu überwachen.
Erst das Gesetz zum Schutz der Privatsphäre von 1973 setzte dem ein
Ende.
Während des Kalten Krieges wurden die Briefe aus
der Heimat an die in Europa stationierten US-Soldaten und deren Briefe
nach Hause aus Sicherheitsgründen nicht normal mit dem Postschiff
oder -flugzeug geschickt, sondern zunächst auf Mikrofilm abgelichtet,
dann per Kurier versandt und am Bestimmungsort als Fotoabzug zugestellt.
Das Postmuseum in Delphos stellt neben einem einspännigen
Pferdewagen auch einen US-Mail-Jeep aus. Auf die Frage, wie denn der Jeep
in den Keller gekommen sei, meinte Gary Lewitt, das sei ein etwas größeres
Unterfangen gewesen: Zunächst habe man die Karosserie vom Fahrgestell
getrennt, dann das Fahrgestell hochkant durch eine Reihe von Türen
und Gängen zu seinem Bestimmungsort gebracht und schließlich
dasselbe auch mit der Karosserie versucht. Diese sei allerdings einen Zoll
(etwa 2,4 Zentimeter) zu breit gewesen, so dass bei dieser Aktion
eine Reihe von Türrahmen zu Bruch gingen, die später wieder hätten
ersetzt werden müssen.
Schwanzwedeln verboten
Auf der Hempfling-Farm waren die Verler Besucher erstaunt
darüber, dass alle Kühe kupierte Schwänze hatten. Auf
die Frage, wie die armen Viecher sich im Sommer denn gegen die Fliegen
wehren sollten, erklärte der Farmer Chuck Hempfling, das sei kein
Problem, denn alle Tiere würden etwa alle vier Wochen mit einem Insektizid
besprüht, das die Fliegen abhalte. So geht’s auch...