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Ein Verlerin macht ihre Famulatur in der Partnerstadt

Verl, den 16. Juni 2002

Schon seit langem spielte ich mit dem Gedanken, im Rahmen meines Studiums eine Famulatur in den USA zu absolvieren. Bei einem Treffen des Partnerschaftsvereins Verl-Delphos blätterte ich in einem aus Delphos mitgebrachtem Telefonbuch. Tatsächlich gab es doch ein Krankenhaus in Lima (Ohio), nur wenige Kilometer von Delphos entfernt. Wie günstig, dachte ich bei mir und beschloss, Frithjof Meißner anzusprechen. Dank seines regen Engagements dauerte es nicht lange und schon hatte ich eine positive Rückkopplung aus Delphos.

Cindy Kayser, die sich dort um die deutschen Austauschschüler kümmert und ihnen Familien vermittelt, hatte sofort Feuer gefangen. In ihrer Familie waren schon mehrere Gastschüler aufgenommen worden, jedoch meist Jungen, da sie und ihr Mann Chip selbst drei Söhne haben. Sie hat sich sofort bereit erklärt, mich aufzunehmen und sich insgeheim gefreut, endlich mal weibliche Unterstützung zu bekommen (z.B. um ausgiebig Shoppen zu gehen,...).

So war der Kontakt geknüpft und Cindy war mir eine grosse Hilfe, einen Platz im Krankenhaus zu bekommen. Was normalerweise wegen der grossen Nachfrage der deutschen Medizinstudenten schwierig ist, war für Cindy ein Leichtes. Ich durfte 4 Wochen in der Gynäkologie und Geburtshilfe famulieren. Ich freute mich riesig und buchte einen Flug.

Bevor ich meine Reise antrat, war ich bereits überwältigt von der freundlichen Hilfsbereitschaft, die sie mir entgegenbrachten. Am Flughafen nahmen mich Cindy und ihre drei Söhne Scott, Adam und Nick in Empfang. Als ich sie sah, wusste ich schon, dass alles gut wird und die Nervosität, die sich während des langen Fluges aufgebaut hatte, verschwand schlagartig. 

Die Kaysers wohnen in einem wunderschönen selbstrestaurierten großem Haus direkt in Delphos. Zur Familie gehören außerdem Buster (ein mehr als quirliger Yorkshire-Terrier) und Sunny (ein gutmutiger, alter Golden-Retriever, der die Hofeinfahrt belagert). Die Jungs tauten der Reihe und dem Alter nach auf. Der härteste Brocken war Nick (6J.), der sich am Anfang sehr schüchtern gab und doch lieber einen Jungen im Haus gehabt hätte. Aber spätestens mit selbstgemachten Brownies (die leckerste amerikanische Schokoladenkuchen-Verführung) konnte ich auch sein Herz zum Erweichen bringen. Bei Scott war das eher ihm bei seinen Algebra-Hausaufgaben zu helfen. Ich wurde komplett in die Familie miteingebunden und wir hatten sehr viel Spaß. Chip und Cindy ermöglichten es mir eines ihrer Autos für die täglichen Fahrten ins Krankenhaus zu benutzen. Ich wusste gar nicht, wie ich ihnen jemals für all das danken könnte. Es war eine wunderschöne Zeit.

Meine Arbeitstage im Krankenhaus waren lang und anstrengend. Oft musste ich nachts wieder zu Geburten ins Krankenhaus fahren. Freundlicherweise bellte Buster jedes mal, um mein Kommen und Gehen lautstark anzukündigen. Es war mir richtig unangenehm, immer wieder alle zu wecken. Aber die restliche Zeit, in der ich daheim war, wurde ich von allen fröhlich belagert, so dass Heimweh gar nicht erst auftreten konnte.

Wir begannen, ein paar deutsche Floskeln bei Tisch zu übernehmen. Tag für Tag brachte ich den Kaysers ein paar mehr Worte bei und sie wurden immer neugieriger. Durch die anderen Gäste hatten sie ja schon viel erfahren, aber da jetzt die Reise für sie nach Deutschland anstand, wollten sie noch mehr lernen. Wir haben uns viele Abende lang über die kleineren und größeren Unterschiede zwischen den "Amis" und den "Krauts" unterhalten. Beim Shoppen (wo sonst) kamen Cindy und ich auf die Idee, ein kleines Deutschbuch zu kaufen. Wir entschieden uns für eine Version mit den gängigsten Sätzen, die man zum Überleben braucht und die man in Lautschrift ablesen kann. Auch die anderen der Gruppe wurden neugierig und wollten nicht ganz hilflos dastehen. Wir trafen uns wöchentlich im Gemeindehaus und ich brachte ihnen so gut es ging Deutsch bei. Wir hatten so viel Spass, dass wir kaum zum Lernen kamen. Ich war beeindruckt von dem regen und mutigen Interesse der Gruppe. Immerhin war der Älteste der Gruppe schon 82 Jahre alt und das Durchschnittsalter lag ungelogen bei 70 Jahren (die Kaysers mal ausgeschlossen).

Leider ging die Zeit viel zu schnell vorüber und der Abschied rückte immer näher. Cindy und mir standen am Tag meines Abfluges abwechselnd die Tränen in den Augen, obwohl ein Wiedersehen nur wenige Monate später in Deutschland geplant war. Im Sommer des nächsten Jahres kam ich zu einer zweiten Famulatur nach Delphos zurück und brachte dieses Mal ein bisschen mehr Zeit zum Reisen mit.

In dieser Zeit habe ich viel gelernt. Nicht nur fachlich, da ich ein anderes Gesundheitssystem kennen lernen konnte und an erster Assistenzstelle mitoperieren und Patienten selbstständig betreuen durfte, sondern auch sprachlich. Aber allem voran erweitert es den persönlichen Horizont, eine Zeit in einem anderen Land leben zu können.

Ich kann nur jedem raten sich so eine Chance nicht entgehen zu lassen. Wem es nicht vergönnt ist während der Schulzeit oder des Studiums ins Ausland zu gehen, der sollte doch wenigstens einen Urlaub dort verbringen, um Land und Leute kennen zu lernen. Denn schließlich ist keiner zu alt, über den Tellerrand hinauszuschauen, wie uns ja die Gruppe Amerikaner schon vorgemacht hat. Es lohnt sich.

Vielen Dank allen, die meine Zeit dort drüben bereichert haben, und natürlich Frithjof Meißner und meinen Eltern, die mir das ermöglicht haben.

I WILL BE BACK!

Indra

 

 

 

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