A.N.E.L.C. Ayuda al Niño En La Calle

Straßenkinderhilfe


Rundbrief August 2002: Politik, Malerarbeiten und Fruchtsalat

Liebe Schwestern und Brüder!

Sie alle haben ja sicher im Fernsehen einige erschreckende Ereignisse in Argentinien gesehen und traurige Kommentare gehört. Es ist inzwischen nicht besser geworden, da die Wirtschaftsführung in unqualifizierten Händen liegt und sich unter dem Druck von starken in- und ausländischen Lobbys befindet, die nicht das Wohl der Leute, sondern nur ihr eigenes als Ziel haben. Der Talboden der Rezession ist noch nicht erreicht und da leider auch noch die wenigen noch funktionierenden Betriebe nicht gefördert, sondern behindert werden, ist eine Erholung der Wirtschaft nicht in Aussicht. Jede Finanzhilfe aus dem Ausland ist an Auflagen gebunden, von denen einige zwar berechtigt sind wie Korruptionsreduktion, Reduktion der Regierungsausgaben und Rechtssicherheit, die aber von gerade denjenigen durchgeführt werden sollen, die diese verschulden.
 
Der Bock soll zum Gärtner gemacht werden. Außerdem sind Politiker, Bänker, Richter, Militär und Parlamentarier so schlecht angeschrieben, dass sie sich nicht unter die Leute wagen, weil sie ausgepfiffen oder sogar tätlich angegriffen werden. 

Anderseits werden alle Auflagen vom Internationalen Währungsfond diktiert, der eine rein finanztechnische Institution ist und keine Qualifikation um ein Land zu regieren besitzt. Aber da die hiesige Regierung in ihrer Unfähigkeit jede Anordnung des IWF befolgt, ist es so, als würde die Deutsche Bank die Bundesregierung ersetzen. Das Resultat aller Maßnahmen, das für uns Nichtfachleute allein ausschlaggebend ist, ist katastrophal. Der Peso wurde abgewertet, die Ersparnisse, Pesos sowie Dollar, von der Regierung eingezogen und eine rasante Inflation eingeleitet. Argentinien ist in Not. Am härtesten trifft es die ärmste Schicht, aus der unsere Schützlinge kommen. Wir stehen vor einer sehr schwierigen Zeit und unsere Schützlinge vor einer äußerst ungewissen Zukunft. Aber mit der Hilfe Gottes und Eurer Unterstützung soll dies Werk weiter bestehen und gute Früchte tragen. Denn daran soll ja die Arbeit gemessen werden. 

Wir haben dieses Jahr neue Arbeitsgruppen in "La Paloma" und auch einen Neubeginn, in einem anderen Vorort von Buenos Aires eingerichtet. Es ist der Keim eines zukünftigen Tagesheimes, das "Erzengel Gabriel" heißen soll. 

Aus "La Paloma" können wir Nettes berichten, das auch die Liebe der Kinder zum Heim zeigt. 

Küche streichen

Während der Schulferien hatten auch schichtweise die Erzieher und die Köchin Urlaub. Da fassten die Älteren den Entschluss: Es wird gestrichen, bloß Geld für Farbe war nicht vorhanden. Da Not erfinderisch macht, haben alle mit ein bisschen Farbe und Pinsel, die sie bei sich oder Bekannten organisiert haben, beigetragen. Da die Farben verschiedener Couleur und Art waren, wurde nicht nur die Küche, sondern auch noch die Bänke der Kleineren gestrichen, und auch der Türrahmen bekam Farbe ab. Es schaut bunt und ordentlich aus und der Boden ist auch sauber geblieben. Die Jugendlichen wurden sehr gelobt, was wiederum zu neuen Taten Ansporn gab und siehe da, sie machten eine Dachreparatur.

Das Dach des Heimes ist mit spanischen Dachziegeln gedeckt, die hübsch aussehen, aber leicht vom Hagel zertrümmert werden. Es ist ein pflegeschweres Dach. Eigentlich wollen wir schon lange das Dach mit Wellblech neu decken und nicht mehr pflegen müssen. Aber da unsere Finanzen so etwas nicht erschwingen können, sind unsere Buben uns "aufs Dach gestiegen" und haben mit ein paar neuen Dachziegeln, Mörtel und Enthusiasmus das Dach wieder dicht gemacht. Es schaut ein bisschen malerisch aus, aber es taugt. Außerdem wurde es von "unseren Kindern" gemacht, was uns mit Freude und Stolz erfüllt.

Ja, kann man sagen, das ist doch eigentlich normal, dass die Kinder zu Hause mit anpacken. Aber: Erstens, was vor 30 Jahren normal war wie damals bei uns zu Hause, ist heute wohl anders; und zweitens wachsen diese Kinder ohne die elterlichen Vorbilder auf in einem Umfeld der Verwahrlosung, des Schmutzes und der Zerstörung; Faktoren, die durch Fernsehsendungen auch noch geschürt werden. Also wir, Erzieher und Verantwortliche des Heimes, sind stolz auf die "pibes".

Fruchtsalat in San Gabriel

Aus der Gruppe des zukünftigen Heimes "Erzengel Gabriel" ist auch ein großartiges Ereignis zu berichten und das war der Abschied von einer sehr netten Volontärin, die uns leider nur kurz begleitet hat. Ester, so heißt die Gute, und Andrea, unsere Psychopedagogin, hatten sich was Außerordentliches für das Abschiedstreffen ausgedacht: Fruchtsalat.

Ja, es sollte Fruchsalat sein, denn es war heiß und er ist gesund und die Kinder haben so etwas sonst nicht u.s.w. Wie das halt so ist, wenn junge Frauen etwas unbedingt machen wollen. Ja, sagten sie und der Salat soll von uns Allen sein und die Früchte sollen von den Kindern geschält und geschnitten werden. Ich fing an um Gottes Beistand zu beten, denn wenn 30 Kinder, die das mosaische Gesetz in ihrem Leben dauernd anwenden, mit Messern bewaffnet sind, kann es eine sehr ungemütliche Abschiedsfeier werden. Also, es kamen zwar nur 26 Kinder, schon ein keiner Lichtblick, und setzten sich an die Tische, eng gedrängt. Andrea erklärte, was nun gemacht werden sollte und auch warum, als Werk Aller. Dann zeigte Ester, welche Früchte wie geschält werden sollten und wie groß die Stücke für den Fruchtsalat sein mussten. Das saßen nun die Kleinen und Größeren gemischt und arbeiteten eifrig, zeigten und halfen sich gegenseitig, passten auf, dass keine Schale oder Obststück am Boden landete und vor allen Dingen gingen sie mit den Sägemessern sehr vor- und umsichtig um. Kein Gestreite, keine Bedrohung, keine falsches Wort. Reiner Frieden und Genugtuung breiteten sich aus.

Dann sangen wir unser bescheidenes Tischgebet: "Dios nos da la alegria y el pan de cada día" (Gott schenkt uns Freude und das tägliche Brot) als ungewollten Kanon, aber "auch das Quaken eines Frosches ist Lobgesang des Herrn".

Geschmeckt hat der Obstsalat einfach vorzüglich. Die anschliessenden Gesellschaftsspiele mit Preisen für die ersten, zweiten, dritten usw. Sieger waren lustig. Zum Schluss bekam jeder noch einen kleinen Schokoladenriegel. Der sonst übliche Apfel, der wegen der Vitamine und der Zahnhygiene sonst verteilt und auch da gegessen wird, fiel aus, da er in dem Obstsalat verarbeitet wurde. Es war ein sehr schöner und guter Nachmittag. Kinder sowie die Erzieherinnen waren sehr stolz und zufrieden, und ich war unserem Herrgott ganz besonders dankbar, dass er meine Bitte erhört hatte.

Herzliche Grüsse und Gott befohlen!

 

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